Mach’s wie der Efeu!

Karriere im GaLa-Bau – Ausbildung, Fortbildung, Weiterbildung & Co

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Lesezeit: 8 Minuten

Hmmm, also was weiß ich über dich, ohne dich zu kennen? Einen halb verdorrten Supermarkt-Basilikumtopf verwandelst du in kurzer Zeit in einen üppigen Busch, wie er in der Toskana nicht schöner wachsen könnte. Wenn deine Oma von Klematis, Mädesüß oder Blutrotem Hartriegel spricht, weißt du sofort, worum es geht. Und wo andere bloß hinschauen, siehst du auf Anhieb ein Dutzend Möglichkeiten, um die Welt grüner zu machen.

Ganz klar: Du musst jemand aus dem GaLa-Bau-Bereich sein! Ich persönlich habe ja den dunkelbraunen Daumen und verstoße wahrscheinlich schon gegen fünf Naturschutzgesetze, wenn ich mir eine Yucca-Palme auf’s Fensterbrett stelle. Umso bewundernswerter finde ich es dann, wenn Leute im GaLa-Bau richtig Gas geben und in dieser Branche Karriere machen. Möglichkeiten dazu gibt es ja viele. Aber bevor man sich die Frage nach Karrieremöglichkeiten stellt, ploppt da bei manchen vielleicht eine ganz andere Frage auf …

Warum solltest du überhaupt im GaLa-Bau arbeiten?

Wenn man gerne an der frischen Luft ist, eigenverantwortliches und kreatives Handwerk mag und außerdem auf das Ergebnis seiner Arbeit zurückblicken möchte, ist der GaLa-Bau naheliegenderweise der richtige Job für dich. Aber es gibt da meiner Meinung nach noch einen viel gewichtigeren Grund, weshalb du dich für diesen Beruf entscheiden solltest.

Welcher das ist? Nun, es existieren ja etliche Mittel und Wege, um aktiven Klimaschutz zu betreiben, doch im GaLa-Bau könnte er aktiver nicht sein! Wenn du also Tag für Tag einen dicken Beitrag dazu leisten möchtest, die Umwelt nachhaltig zum Positiven zu verändern – hier hast du die Gelegenheit dazu!

Du weißt ja: Das Klima hat nicht ewig Zeit. Bis sich die Herrschaften in der Politik endlich für einen Weg geeinigt und hilfreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht haben, hast du in der Zwischenzeit aber schon 100 Bäume und 200 Sträucher gepflanzt. Ganz zu schweigen von Dachbegrünungen, Stadtwäldern und vertikalen Gärten. Jedenfalls sind viele kleine und große Oasen, die du mitgeplant, mitgestaltet und in die Tat umgesetzt hast, das Resultat deiner Hände!

So kletterst du die GaLa-Bau-Karriereleiter hoch …

… und zwar wie der Efeu an der Hauswand! Denn wenn es etwas gibt, das du dir von dieser Kletterpflanze abgucken kannst, ist es ihre gesamte Art und Weise, wie sie lebt. Efeu ist sowohl immergrün und robust, vor allem aber auch ein sogenannter Selbstklimmer. Diese Pflanzen finden also ihren Weg von allein, wenn es einen geeigneten Untergrund gibt, auf dem sie emporranken können. Wenn man sie also lässt, hinterlassen sie auch ihre Spuren! Welche hinterlässt du in deiner Karriere?

Dazu gibt es viele, auch länderspezifische Möglichkeiten, die wir hier in einem einzigen Blogartikel unmöglich in allen Facetten abbilden können. Bevor wir uns also in vielen kleinen Unterschieden und Reglements verlieren, schauen wir uns einfach mal eine Handvoll an, die die GaLa-Bau-Karrierewelt für dich zu bieten hat!

Ausbildung im GaLa-Bau – dein Karriere-Fundament

Den grünen Daumen magst du ja schon angeboren haben. Vielleicht hast du sogar zwei davon, gut und schön. Sicher ist aber, dass du das GaLa-Bau-Handwerk mit all seinen Feinheiten am allerbesten von der Pike auf lernst – natürlich mit der Ausbildung!

Der exakte Name dieser Berufsausbildung lautet „Gärtner/in in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau“. In den drei Jahren der dualen Ausbildung packst du vom allerersten Tag mit an und eignest dir all das Wissen und die Fähigkeiten an, die du für deine spätere Karriere unbedingt draufhaben musst.

Zum Beispiel, wie man Pflanzungen plant und in die Tat umsetzt, Baustellen einrichtet, Rasenflächen und Beete anlegt oder Gehölze pflegt. Aber da gibt’s noch vieles mehr, was mit der Welt der Pflanzen zusammenhängt: Wege und Plätze pflastern, Mauern und Treppen bauen, Zäune errichten, Be- und Entwässerungssysteme anlegen … du siehst, da kommt einiges zusammen!

Natürlich gibt es auch Leute, die sich all das nicht im Rahmen einer Berufsausbildung, sondern durch schiere Arbeitspraxis draufgeschafft haben. Das bedeutet aber nicht, dass Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger – sofern sie überhaupt welche sind – nicht ihren Berufsabschluss nachholen dürften, um schließlich was in der Tasche zu haben, worauf man aufbauen kann!

In Deutschland gibt es praktischerweise die Möglichkeit, trotz fehlender Berufsausbildung eine Abschlussprüfung machen zu können – ganz ohne Berufsschulunterricht, Zwischenprüfung oder Berichtsheft. Alles, was du dafür tun musst: Berufspraxis nachweisen, und zwar das 1,5-fache der regulären Ausbildungszeit. Da es sich um eine dreijährige Ausbildung handelt, musst du also viereinhalb Jahre Praxis nachweisen können – vorausgesetzt, du hast in Vollzeit im Bereich GaLa-Bau gearbeitet. Ist dem nicht so, erhöht sich die nachzuweisende Praxiszeit entsprechend.

Ausgelernt auf einem boomenden Arbeitsmarkt

Es gibt viel zu tun – pflanzen wir’s an! Ja, die GaLa-Bau-Branche boomt. Ja, Tendenz steigen. Und ja, es herrscht wie in vielen anderen Berufen auch im Gala-Bau ein Fachkräftemangel. Also drei Mal „Ja!“ zum Berufsleben als ausgebildete Gärtnerin und Gärtner! Du hast hervorragende Aussichten dafür, dass du nach der abgeschlossenen Lehre zwischen mehreren Gala-Bau-Jobangeboten im Privat- und Firmenbereich, aber auch im öffentlichen Grün wählen kannst.

Außerdem macht es wirklich Sinn, nach der Ausbildung noch mehr Berufserfahrung zu sammeln – nicht nur für deine persönlichen Fertigkeiten und deinen Wissensfundus, sondern auch für deinen weiteren Karrierepfad. Je nach Art der Fort- und Weiterbildung benötigst du nämlich eine bestimmte Anzahl an Jahren Berufspraxis. Nicht zuletzt findest du im Laufe der Zeit auch heraus, ob es vielleicht einen bestimmten Bereich gibt, der dich besonders interessiert und in dessen Richtung du dich weiterentwickeln und spezialisieren möchtest!

Staatlich geprüfte:r Techniker:in im Garten und Landschaftsbau

Diese Fortbildung ist genau richtig für dich, wenn du sowohl anpacken kannst als auch ein Talent für organisatorische Aufgaben im Büro hast. Mit dem Techniker in der Tasche bist du der Kopf, der Arbeitsläufe auf den Baustellen und mit der Betriebsleitung koordiniert, Bodenuntersuchungen durchführt, Bauzeitenpläne überwacht, bei arbeitswirtschaftlichen Untersuchungen mitwirkt, Kalkulationen bearbeitet, technische Zeichnungen anfertigt … Ja, danach hast du eine ganze Menge drauf. So viel, dass du schon bald selbst Teil der Betriebs- oder Abteilungsleitung wirst und Tag für Tag zeigen kannst, was eine gute Führungskraft ausmacht.

Die Techniker-Fortbildung dauert in Vollzeit zwei bis drei Jahre, in Teilzeit drei bis vier Jahre. Die Ausbildung ist landesrechtlich geregelt und findet in Gartenbau-Fachschulen statt, die sich in mehreren Bundesländern befinden. Was du brauchst: Eine abgeschlossene Ausbildung und mindestens ein Jahr Berufserfahrung. Nach der erfolgreichen Abschlussprüfung hast du außerdem mit einer Zusatzprüfung die Fachhochschulreife erlangt, die dir auf deinem weiteren Weg auf der Karriereleiter nützlich sein kann!

Werde Fachagrarwirt:in!

Du hast im GaLa-Bau (oder aber auch in Baumschulen, der Land- und Forstwirtschaft oder im Obstbau) deine Ausbildung erfolgreich abgelegt? Du erfüllst die Anforderungen des § 53c BBiG? Bäume sind genau dein Ding? Dann solltest du dir die Fortbildung „Fachagrarwirt:in für Baumpflege und Baumsanierung“ beziehungsweise „Bachelor Professional Baumpflege“ näher anschauen! Laut Landwirtschaftskammer musst du bis zur Prüfung mit einem Lernumfang von mindestens 1200 Stundenrechnen. Plane also locker ein halbes Jahr ein. Danach erfasst du Baumschäden im innerstädtischen Grün oder in der freien Landschaft und planst und koordinierst die richtigen Pflege- und Sanierungsmaßnahmen – natürlich alles im Rahmen des Natur-, Umwelt- und Arbeitsschutzes sowie der Verkehrssicherung. Kommunen und spezialisierte Unternehmen freuen sich auf Fachkräfte wie dich.

Ein anderer Bereich, in dem du als Fachagrarwirt:in tätig sein kannst, ist das Greenkeeping beziehungsweise die Golfplatzpflege. Hier ist deutlich mehr gefragt, als den Rasen mit einer Nagelschere zu stutzen. Du brauchst neben der abgeschlossenen GaLa-Bau-Ausbildung mindestens drei Jahre Berufserfahrung inklusive praktischer Tätigkeiten in der Golfplatzpflege. Entsprechende Fortbildungslehrgänge sind ebenfalls Pflicht. Anschließend bist du die Person, die dafür sorgt, dass mehrere Hektar große Golfplätze in gesundem, sattem Grün erstrahlen, und schaffst naturbelassene Zonen auf innerhalb des intensiv genutzten Greens.

Neben diesen beiden Beispielen zur Fortbildung als Fachagrarwirt:in gibt es noch andere Bereiche, auf die du dich mit deiner GaLa-Bau-Ausbildung und Berufspraxis konzentrieren kannst – zum Beispiel als Fachagrarwirt:in für landwirtschaftliche Direktvermarktung, für Naturkost/Naturwaren oder für Rechnungswesen. Welche Richtung du einschlägst, hängt ganz von deinen Vorlieben ab – also solltest du für dich herausgefunden haben, was dir bei der Arbeit am meisten Spaß macht. Sicher ist: Mit jeder Spezialisierung bist du deinen Berufskolleginnen und -kollegen eine Nasenlänge voraus!

Meister im Garten- und Landschaftsbau

Es ist der Klassiker unter den beruflichen Fortbildungen und mit dem Meisterbrief ebnest du dir den Weg in alle Richtungen, die du dir wünschst – ob an die Uni oder in die Selbstständigkeit. Neben deiner abgeschlossenen Ausbildung solltest du mindestens zwei Jahre Berufspraxis dafür mitbringen. Deine Meister-Fortbildung kannst du Vollzeit, Teilzeit und online absolvieren, rechne aber mindestens ein Jahr Zeit dafür ein.

Mit dem Wissen und all den Fertigkeiten, die du dir im Rahmen deiner Fortbildung aneignest, bist du sowohl im Büro als auch auf der Baustelle die Person, die alles im Blick hat. Du wickelst Neuanlagen- und Pflegeaufträge ab, bildest den Berufsnachwuchs aus, kümmerst dich um die Bauüberwachung, organisierst die personellen und maschinellen Ressourcen auf der Baustelle und sorgst dafür, dass sowohl zeitlich als auch kalkulatorisch alles im Rahmen liegt. Machen wir uns nix vor: Die Aufgabenpalette ist riesig, aber du bist als Meister sowohl dazu in der Lage, einen kompletten GaLa-Bau-Betrieb zu führen als auch deinen eigenen zu gründen.

Bachelor und Master-Studium

Alle, die sich im Bereich GaLa-Bau zu Höherem berufen fühlen, kommen nicht um ein Bachelor- oder auch Masterstudium herum. Schauen wir uns zunächst mal den Bachelor Landschaftsarchitektur/-Landschaftsbau an. Bevor du mit dem Studium loslegen kannst, musst du ein gewisses Maß an Vorbildung mitbringen: Entweder die allgemeine Hochschulreife oder auch die Fachhochschulreife der Fachoberschule für Technik in der Fachrichtung Gartenbau. Du erinnerst dich: Dieses Fachabitur erlangst du auch mit der Techniker-Fortbildung!

In den sechs bis acht Semestern Studium der Landschaftsarchitektur eignest du dir jede Menge technisches, wirtschaftliches und naturwissenschaftliches Wissen an – Betriebswirtschaft, Biologie, Umwelt und Soziologie sind nur einige von vielen Themen, die du dir hier zu Gemüte führen wirst. Und all das brauchst du auch, wenn du wissen willst, wie man Parks, Gärten oder auch Sport- und Freizeitanlagen richtig plant. Schon im Bachelor-Studium kannst du dich auf einen Schwerpunkt festlegen, sei es Wirtschaft, Ökologie oder Architektur. Hier kommt es darauf an, in welchem Bereich du deine berufliche Zukunft siehst.

Im Bachelor-Studium wird der theoretische Teil durch viele Praxiselemente, wie Projekte, praktische Übungen oder Praktika ergänzt. Nach deinem erfolgreichen Abschluss öffnet sich dir die Tür zu Führungskräfte-Jobs, wie zum Beispiel als technische Betriebsleitung im öffentlichen Dienst oder in privat geführten Landschaftsarchitektur-Büros.

Eine noch intensivere Vertiefung deines Wissens gefällig? Dann solltest du ein Masterstudium in der Landschaftsarchitektur in Betracht ziehen. Die Voraussetzung dafür ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium in Landschaftsarchitektur oder aber auch der Bachelor in Architektur im Allgemeinen, in Raum- und Umweltplanung, in Stadt- und Regionalplanung oder in anderen Ingenieurwissenschaften mit Planungs- und Gestaltungsbezug.

In deinem zwei bis vier Semester andauernden Masterstudium gehst du in die Spezialisierung – das kann neben dem Landschaftsbau beispielsweise auch die Freiraumplanung oder Kulturlandschaftsentwicklung sein. Hauptsache, du fühlst dich in leitenden Tätigkeiten in der Planung, Verwaltung, Forschung oder Lehre wohl – vielleicht willst du ja auch Lehrerin oder Lehrer an der Berufsschule werden? Die Fähigkeiten, die du dir hierfür aneignest, sind sehr breit gestreut, sodass du als Master rundum fit für deinen Job bist – von der Arbeitsplanung und Konzeption über Recht und Verwaltung bis hin zum Sachverständigenwesen oder der Forschung und Lehrtätigkeit.

Die Selbstständigkeit

Manche Leute sind einfach wie geschaffen dafür, ihr eigenes Ding zu machen. Und wer weiß, vielleicht blühst du als dein eigener Chef ja auch voll auf! Wie so eine Selbstständigkeit im GaLa-Bau letztendlich aussehen kann, hängt von deinen persönlichen Präferenzen sowie von deiner Spezialisierung ab. Sollen es eher Privatkunden sein oder zielst du auf den öffentlichen beziehungsweise den B2B-Sektor ab? Möchtest du beruflichen Nachwuchs ausbilden? Bietest du GaLa-Bau-Dienstleistungen an oder willst du beratend unterwegs sein?

Womit auch immer du dich mit deinem GaLa-Bau-Wissen und deinen fachlichen und beruflichen Qualifikationen selbstständig machen willst, sei dir gewiss, dass sowohl im Vorfeld der Gründung als auch als dein eigener Chef eine Menge Aufgaben auf dich warten und das unternehmerische Risiko bei dir liegt. Dafür hast du jedoch die Chance, deine Arbeitswelt genau so zu formen, wie du sie für genau richtig empfindest – von der Arbeitsweise über die Arbeitszeitgestaltung bis hin zur Führung deiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Fazit: Es braucht den richtigen Untergrund, wenn’s gedeihen soll

Es ist, wie es ist: Alles in der beruflichen Karriere steht und fällt mit den Voraussetzungen – die man sich aber selbst schaffen kann! Du hast viel solide Berufspraxis im GaLa-Bau, aber noch keine abgeschlossene Ausbildung? Mach deine Abschlussprüfung! Du hast größere Ziele, willst später nicht als Total-Theoretiker enden? Zieh nach deiner Lehre eine gewisse Zeit als Gesellin oder Geselle durch, sammle noch mehr Wissen aus erster Hand und verfeinere deine praktischen Fähigkeiten – und verdiene dabei noch Geld, denn das wirst du im Zweifel noch für die eine oder andere Fort- und Weiterbildung brauchen! Da bleibt aber garantiert auch noch was für vernünftige Arbeitskleidung übrig. Was Weitblick da für dich im petto hat, habe ich ja schon in einem anderen Artikel in diesem Blog erzählt.

Was deine Karriere betrifft: Ob du Techniker:in oder Agrarwirt:in wirst, an die Uni gehst oder deinen eigenen Laden aufmachst – du bist die Person, auf die du dich verlassen solltest! Du schaffst dir den Untergrund dafür, ob’s in deinem Berufsleben gedeiht oder nicht. Denk an den Efeu!

Dragan
Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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