„Kopfmensch mit ein bisschen Bauch“

Das ist Simon Kolar

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Samstagabend. Ein Samstag, oft wie jeder andere. Um dich herum ist es laut. Es ist heiß. Die Hektik treibt deinen Herzschlag immer wieder in die Höhe. Fast alles läuft am Limit. Kein Wunder, denn die Ansprüche an dich sind hoch, aber irgendwie bleibst du doch cool in diesem Gewusel.

Fast wie bei einem Roboter arbeiten deine Hände nahezu automatisch und dein Kopf plant schon den übernächsten Schritt. Deine Handgriffe sitzen, du behältst den Überblick und gibst 100 Prozent, denn: dein Team und du, ihr sitzt im selben Boot. Nur gemeinsam kommt ihr aus der ganzen Sache heil raus. Aber du weißt auch: spätestens beim Feierabendbier ist nach der ganzen Kocherei endlich Wellness angesagt.

„If you can’t stand the heat …“

Wenn du in der Küche arbeitest, ist obige Situation mehr oder weniger Alltag. Ein bekanntes englisches Sprichwort, das eigentlich weniger auf den Beruf als vielmehr auf das wahre Leben abzielt, lautet „If you can’t stand the heat, get out of the kitchen!“ – und der Satz könnte im diesem Kochberuf nicht passender sein. Ob du auf diesen Thrill und diese Arbeitsbedingungen stehst und ob du dich jemals daran gewöhnen wirst, musst du definitiv für dich selbst herausfinden.

Was mich in gut elf Jahren im Kochberuf immer wieder motiviert hat, dranzubleiben, waren die richtigen Leute. Ich hatte das Glück, mit einem Team aus Leuten arbeiten zu dürfen, die Bock darauf hatten, gemeinsam was zu reißen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf die du dich blind verlassen konntest. Menschen, mit denen du – wie unser damaliger Entremetier-Postenchef sagte – „kopfüber an der Dunstabzugshaube hängend, einarmig und mit verbundenen Augen“ arbeiten konntest.

Die richtigen Leute zusammenbringen – so könnte man auch die Mission von Simon Kolar beschreiben. Simon ist Gründer der „Guerilla Chefs“ und, wie ihr unschwer erraten konntet, absoluter Vollblut-Koch. Die Guerilla Chefs sind aber nicht einfach irgendein 08/15-Köcheclub, sondern vielmehr eine Bewegung, in der Menschen zusammenkommen, die einfach gerne kochen – egal ob blutjunger Azubi, ambitionierter Hobbykoch, abgebrühter Vollprofi oder ausgekochter Veteran. Unter anderem besteht die Mission der Guerilla Chefs auch darin, den Kochberuf wieder sexy zu machen und die richtigen Leute dafür zu begeistern.

Simon Kolar, Gründer der Guerilla Chefs und Vollblut-Koch

Simon ist laut Wikipedia außerdem noch „Unternehmer und Influencer“, wobei letztere Bezeichnung für ihn, wie er sagt, „die größte Beleidigung schlechthin“ sei. Das kann ich absolut nachvollziehen und allein schon dieses direkte Statement macht ihn noch sympathischer. Denn Fake, Schein und Illusionen haben im Gastroberuf einfach nichts zu suchen.

Welchen Beruf er sonst hätte, wenn er heute kein Koch wäre? „Astronaut“, lautet Simons Antwort. Jetzt könnte man aus dieser herausdeuten, dass er als Gastromensch anscheinend doch irgendeinen Hang zu Sternen hätte – aber das Gegenteil ist der Fall. Stellt man ihn nämlich vor die Entscheidung zwischen Fancy-gehobener Küche oder dem guten, bodenständigem Zeug, dann fällt seine Wahl „zu 1000 Prozent“ auf die Basics beim Kochen.

Kein Schnickschnack

Verständlicherweise. Jeder, der seit seiner Kindheit zum Beispiel Omas legendäre Küche kennt und liebt, der weiß auch, dass gutes Essen keinen Schnickschnack braucht. Das ist in der Gastronomie nicht anders. Ob er irgendwelche gehypten Trends verfolgt oder sein eigenes Ding macht, erklärt sich daher von selbst – genau so, wie das Credo von Simons Restaurant Landhof, das da nicht grundlos „Einfach.Deutsche.Küche“ lautet. Diese Einfachheit ist sicher auch der Grund, weshalb er am besten beim Kochen so richtig entspannen kann, wie er sagt. Trotz aller Bodenständigkeit verlässt hier kein Teller die Küche ohne Simons Perfektionismus, den er gleichzeitig auch als seine größte Macke bezeichnet.

„EINFACH.DEUTSCHE.KÜCHE“

Apropos perfekt. Wie sein perfekter Morgen aussieht, wollten wir im Fragenhagel von ihm wissen. Auch hier ist er recht bodenständig: „Ausschlafen bis 9:00 Uhr, Frühstück und frei.“ – wenn ich so an meine Zeit als Koch zurückdenke, dann kann ich dieses Setting absolut nachfühlen. Nur mit dem Unterschied, dass der perfekte „Morgen“ bei mir eher zwei Stunden später angefangen hätte.

Was die drei wichtigsten Dinge in seinem Leben darstellen, haben wir ihn außerdem gefragt. Auch hier kommt wie aus der Pistole geschossen “Meine Mutter, gutes Essen und Spaß am Leben“. Ich denke, besser kann man seine Prioritäten nicht auf den Punkt bringen. Wenn sich sein Leben nicht gerade in der Küche abspielt, trifft man Simon jeden Tag um 12 in der Mannheimer Innenstadt bei seinem Mittagsespresso. Und wer wie er so viel Zeit am Herd verbringt, lässt sich in der Freizeit auch gerne von einem Lieferservice mit gutem Essen versorgen. So viel Zeit muss sein, denn der nächste Arbeitstag kommt bestimmt.

„Es ist kompliziert“

Ja, im Gastroleben muss man sich diese Zeit im Privaten durchaus nehmen, denn manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Das hängt allerdings auch sicherlich damit zusammen, dass das Hobby nicht selten zum Beruf wird und der Beruf daher auch irgendwie zum Hobby. Genau so verschwimmt auch Simons Antwort auf die Frage, ob er ein Bauch- oder Kopfmensch sei: „Kopfmensch mit ein bisschen Bauch“. Welchen Bauch er dabei tatsächlich meint, hat er uns an der Stelle nicht verraten!

Was Simon in die Spalte von Formularen schreibt, in welcher nach dem Beruf gefragt wird? „Es ist kompliziert“ lautet seine spontane Antwort, aber sein Lachen dabei kommt von Herzen, und das zeigt eigentlich nur, dass er seine ganz eigene Work-Life-Balance gefunden hat, mit der es sich gut leben lässt. Und dazu gehört auch einfach mal dasselbe, wie sein Lieblings-Hashtag auf Instagram lautet: #Feierabend.

Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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