„Kreativität ist immer der Trend“

Zuhause bei der Schmucklerin

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Lesezeit: 3 Minuten

Glücklich ist, wer dieses Fleckchen Heimat nennen darf! Durach ist eine kleine Oberallgäu-Idylle, nur gut vier Kilometer südlich von Kempten. Hier leben etwas mehr als 7000 Menschen in einer Bilderbuchgegend: Sattes Grün wohin man sieht, der gleichnamige Bach gesäumt von Kastanienbäumen, im Hintergrund bilden die Alpen ein wunderschönes Panorama … Inspiration pur! Da wird es wohl auch kein Zufall sein, dass Renana Fink mit ihrem Atelier hier zuhause ist. Renana ist gelernte Goldschmiedin und seit 2012 mit ihrem Goldschmiedeatelier „Schmucklerei“ selbstständig. Und weil man alles am besten vor Ort auf sich wirken lässt, haben wir es uns zum Anlass genommen, sie in ihrer Schmucklerei zu besuchen und sie und ihre Passion für ihr Handwerk näher kennenzulernen.

Renana Fink, Goldschmiedin

Das Goldschmiedehandwerk ist ein Kunsthandwerk mit viel Feingefühl und Präzision. Wie sieht denn dein Arbeitsalltag aus?

Zuerst wird immer erstmal Kaffee gemacht! Dann: Tresor auf, Aufträge raus und los geht’s! Entweder arbeite ich für meine Kunden Entwürfe aus oder ich arbeite an den Schmuckstücken, die ich selbst entworfen habe. Zunächst wird das Material hergerichtet, zum Beispiel Bleche gewalzt, Drähte gezogen und so weiter. Es muss einfach alles gut vorbereitet sein, bevor es an die eigentliche Arbeit geht. Das Allerwichtigste für mich ist aber die Ruhe in meinem kleinen Atelier!

Welche Arbeitskleidung trägst du denn am liebsten?

Da halte ich es gerne einfach: T-Shirt und Schürze.

Wie wir gesehen haben, trägst du unsere Denim-Schürze in oliv. Was gefällt dir daran und warum ist sie für deine Arbeit so nützlich?

Oliv ist eben eine meiner Lieblingsfarben! Für meine Arbeit ist die Schürze so nützlich und wichtig, weil sie super praktisch ist, nachhaltig hergestellt wurde und meine „normale“ Kleidung darunter schützt.

Apropos Nachhaltig: Auch im Goldschmiedebereich ist das Thema Nachhaltigkeit angekommen. Wie integrierst du das in deinen Berufsalltag? Beziehst du fair gehandelte Metalle? Nutzt du nachhaltige Verpackungen?

Ja, Nachhaltigkeit ist für mich enorm wichtig – gerade auch bei meiner Arbeit im Goldschmiedebereich. Da wird natürlich alles restlos verwertet! Ich verwende aber auch ausschließlich recyceltes Material, fair gehandelte Edelsteine sowie nachhaltige Verpackungsmaterialien.

Welche Trends gibt es denn momentan im Goldschmiedehandwerk?

Bezogen auf so kleine Ateliers, wie ich eines habe, gibt es nicht wirklich Trends. Kreativität ist immer der Trend.

Wie und wo lebst du sonst deine Kreativität aus?

Das Goldschmiedehandwerk ist zwar an sich schon ein sehr kreativer Beruf, meine Kreativität lebe ich aber eigentlich immer und überall aus, wo es geht. Egal ob in der Wohnung, im Garten, beim Malen oder in sonstigen handwerklichen Dingen.

Viele Goldschmiede sind Allroundtalente und kennen sich nicht nur in ihrem Bereich sehr gut aus, sondern auch in artverwandten Disziplinen, wie zum Beispiel dem Gravieren oder dem Edelsteinfassen. Wie ist das bei dir? Bist du auch eine Allrounderin?

Man muss ein Allroundtalent sein, sonst funktioniert es nicht! Natürlich fasse ich oder graviere ich auch. Trotzdem arbeite ich ab und an mit Graveuren und Edelsteinfassern zusammen, denn bei einigen Dingen müssen einfach Profis ran.

Man hat als Goldschmiedin ja mit vielen Materialien zu tun. Mit welchem arbeitest du am liebsten?

Das ist ganz eindeutig Feingold oder 900er Gelbgold. Aber auch Silber finde ich toll.

Was war das außergewöhnlichste, vielleicht auch komplizierteste Schmuckstück, das du gefertigt hast?

Das außergewöhnlichste und gleichzeitig komplizierteste Schmuckstück war eindeutig mein Gesellenstück. Es war eine Kette aus römischen Glasperlen und einem 900er Gelbgold-Verschluss, der außen mit einem Muster ziseliert wurde. So etwas bleibt immer in Erinnerung!

Und das teuerste Stück, dass du geschmiedet hast? Wie viel hat es gekostet, wenn wir fragen dürfen?

Das teuerste Stück, das ich je angefertigt habe, war ein Verlobungsring mit einem sehr großen Brillanten. Sehr hochwertige Materialien, sehr sorgfältige Arbeit – der lag dann schon bei 9500 !

Wo du gerade das Thema anschneidest: Wie oft musst du zwischen angehenden Ehepartnern bei der Wahl der Trauringe vermitteln? Die Geschmäcker sind ja oft ziemlich verschieden.

Vermitteln muss ich zum Glück nur sehr selten, da ich von Anfang an kommuniziere das jeder den Ring aussuchen soll, der zu ihm oder ihr passt. Egal ob sie dann gleich ausschauen oder nicht. Was man aber sagen kann, ist, dass sich nur noch die wenigsten Trauringe absolut gleichen. Da gibt es dann nicht mehr allzu viel zu vermitteln!

Hast du vielleicht noch ein paar Profi-Tipps zur Schmuckpflege für uns?

Hier kann ich empfehlen, den Schmuck immer mal wieder mit mildem Spüli, Wasser und einer Zahnbürste zu reinigen. Wenn es aber um gröbere „Verschmutzungen“ geht, sollte man ihn aber besser zu einem Fachmann bringen.

Privat bist du ja ein richtiges Pferdemädchen! Warst du das schon immer?

Ja, das war ich definitiv schon immer! Ohne Pferde wäre das Leben für mich nur halb so schön!

Würdest du das Reiten für dich als Sport bezeichnen?

Das Reiten an sich ist zwar schon körperlich anstrengend, weshalb man es sicher als Sport bezeichnen kann. Für mich ist es aber nicht wirklich ein Sport, sondern eine schöne Zeit, die ich mit einem Lebewesen verbringe. Mir geht es da nicht vorrangig um sportliche Aktivität, sondern um etwas anderes.

Um was denn genau?

Ich kann bei den Pferden einfach völlig abschalten. Wenn ich mit meinem Pferd zusammen in der Natur bin, dann wird in diesen Momenten alles andere unwichtig.

Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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