Mach´s gut, altes Bad

Mach´s neu mit Madita!

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Lesezeit: 6 Minuten

Treue Leserinnen und Leser unseres Blogs kennen sie ja bereits. Und falls nicht, machen wir’s kurz: Madita Brauer ist 24 Jahre alt, absolvierte zunächst eine Bankerinnen-Lehre, entdeckte dann das Handwerk, ist heute SHK-Anlagentechnik-Meisterin und hat außerdem ihren Bachelor of Arts im Handwerksmanagement in der Tasche. Coole Biografie, oder?

Sicher ist: Menschen wie Madita kann es im Handwerk gar nicht genug geben, denn wenn man sich ihren Lebenslauf so anschaut, lautet die Devise durchweg „Ziel vor Augen, anpacken, durchziehen, weiter geht’s!“ Tja, wenn man dafür wirklich brennt, wofür man Tag für Tag aufsteht, ist das Geschlecht doch völlig schnurz, wie man sieht, und ich denke, Madita wird noch viele weitere Frauen dazu motivieren, vermeintliche Männerdomänen im Handwerk zu betreten.

Badsanierung like a Boss

Aktuell möbelt Madita gerade ein altes Badezimmer auf – diesmal allerdings nicht für einen Kunden. Insofern ist es immer recht spannend zu sehen, wie Handwerksleute solche Projekte angehen. Wird es richtig penibel geplant oder rutscht das einfach so durch? Wie läuft eine Badsanierung in der Regel ab, was gibt’s alles zu beachten, was kann schiefgehen, was für Madita einfach in ein gutes Badezimmer gehört und was kann man als Laie selbst in die Hand nehmen? Das und noch viel mehr hat Madita uns erzählt!

Was hat das alte Bad denn verbrochen? Warum muss es raus?

Im Grunde hat das Badezimmer nichts verbrochen, es war alt. Zwar top in Schuss, aber einfach nur Uromas Badezimmer. Wir sanieren eine gesamte Wohnung, mit neuem Boden und allem was dazugehört. Dann kann ich mir nicht nehmen lassen, auch an das Badezimmer zu denken und es einmal auf den Kopf zu stellen. Dies wird in den nächsten Jahren das Badezimmer meiner Schwiegereltern in Spe, weswegen wir es barrierefrei gestalten wollen. Das heißt: Eine große Dusche, geräumiger Waschtischunterschrank und so viel Bewegungsfläche wie möglich.

Du sagtest gerade „wir“ – wer hilft dir denn bei der Badsanierung?

Mein Partner Alex. Er ist ein langjähriger Arbeitskollege von mir und ebenfalls gelernter Anlagenmechaniker – die Unterstützung wollte ich nicht missen. Außerdem hilft mir noch die Familie von Alex beim Sanieren und auch meine Freunde packen mit an. Für die Fliesenarbeit haben wir einen Fliesenleger beauftragt und den Boden legt am Ende ein Bodenleger. Ach ja, und ein Maler bringt uns die Farbe an die Wände.

Das ist schon ein wenig die Antwort auf die Frage, die ich dir als nächstes stellen wollte: Gibt es etwas, das du bei der Badsanierung nicht selbst erledigst oder jemand anderen erledigen lässt?

Für mich käme es nicht in Frage, die Fliesen selbst zu legen. Sicherlich würde ich das irgendwie hinbekommen, aber bei der fachgerechten Abdichtung hört es dann bei mir auf. Wir wollen, dass es wunderschön und langjährig hält. Da lassen wir gerne jeden sein Fach selbst erledigen.

Wie würdest du folgenden Satz vervollständigen? Am meisten an der Badsanierung mag ich …

… die Arbeiten, die man am Ende des Tages sieht. Die Demontage der alten Einrichtungsgegenstände, den Fliesenspiegel abzuschlagen oder die Wände wegzustemmen. Auch schön ist die Fertigmontage mit dem letzten Schliff. Das bringt die nötige Freude in den Abschluss des Projektes.

Und den Gegenpart dazu: Was mir bei der Badsanierung überhaupt keinen Spaß macht, ist …

… das Aufräumen, Schutt wegtragen, fegen oder saugen. Alex ist sehr sehr sehr ordentlich und ich bin „nur“ ordentlich. Das ist ein meilenweiter Unterschied und das kostet mich teilweise viele Nerven. Außerdem macht mir das Warten keinen Spaß. Das Warten auf den Fliesenleger und das Warten auf Feierabend, damit wir wieder weiterarbeiten können.

Welche besonderen Features wird das neue Bad haben, die das alte Bad nicht hatte?

Ein Dusch-WC wird mein Highlight. Außerdem bekommen wir einen Badheizkörper, der dank bestehender Fußbodenheizung nur nice to have ist.

„Man kann gerne einen großen Teil der Entkernung selbst übernehmen, aber in keinem Fall die Verlegung oder Veränderung der Trinkwasserleitungen, ebenso wenig wie die Installation der Abwasserleitung.“

Was darf für dich in einem perfekten Bad auf keinen Fall fehlen und warum?

Für mich muss es genügend Stauraum haben. Ich bin sehr minimalistisch und möchte, dass alles seinen Platz hat. Ein Waschtischunterschrank ist also ein Minimum. Wir haben uns jetzt noch für einen Hochschrank und einen Spiegelschrank entschieden. Außerdem könnte ich nicht ohne Badewanne leben. Mindestens einmal die Woche gehe ich baden.

Was braucht wirklich kein Mensch im Badezimmer und wird dann trotzdem immer wieder gewünscht und installiert?

Ich bin kein Fan von an der Wand fest positionierten Zahnputzbecher oder Seifenhaltern. Irgendwie bin ich der Meinung, dass man mit solchen Kleinigkeiten schon das ganze Erscheinungsbild des Badezimmers ändern kann. Ich bin da dann lieber flexibel und tausche die Dinge gerne mal aus.

Welcher Faktor spielt die größte Rolle beim Look eines Badezimmers?

Ganz klar die Geräumigkeit und das Zusammenspiel der Farben. Der erste Eindruck muss stimmen. Dann sind der Fliesenspiegel und die Einrichtungsgegenstände wichtig. Man sieht Unterschiede in der Qualität, sowohl bei den Fliesen als auch bei den Einrichtungsgegenständen. Ich habe beispielsweise ein Farbboard erstellt, damit der Holzton im Boden und im Waschtisch sich nicht komplett beißen. Auf solche vermeintlichen Kleinigkeiten sollte man achten.

Ohne Plan geht’s ja eigentlich nicht. Womit beginnt man bei der Planung der Badsanierung, was alles muss man dabei bedenken und im Hinterkopf haben, was wird am häufigsten vergessen und unterschätzt?

Wir haben tatsächlich ohne Plan gestartet. Für unser Gefühl war es wichtig, erst mal frischen Wind in unsere vier Wände zu bekommen. Also haben erst mal das alte Bad rausgeschmissen  – ohne Plan, ohne Kostenschätzung und ohne Fliesenleger (lacht). Dann habe ich mit einem Planungsmodul verschiedene Positionen der Einrichtungsgegenstände ausprobiert. Währenddessen habe ich auf Instagram und Pinterest ein paar Ideen aufgeschnappt und dann haben wir uns auf einen Stil festgelegt.

Ab da lag es in meiner Hand und ich habe verschiedene Kataloge durchgestöbert, bin mit den Herstellern Vigour und Hansa verschiedene Lösungsmöglichkeiten durchgegangen und schlussendlich habe ich mit Elements aus der GC Gruppe eine Zeichnung erstellt. Anschließend habe ich die finalen Einrichtungsgegenstände bestellt und die Maßzeichnungen mit ins Bad genommen. Da musste ich feststellen, dass wir so ziemlich alles ändern müssen, was geändert werden kann.

Wir haben außerdem die Lieferzeiten total unterschätzt und lange nach dem richtigen Fliesenleger gesucht, der natürlich nicht auf uns gewartet hat und entsprechend lange Vorlauf braucht. Das ist der Horror für uns: Wir haben alles vorbereitet und der Bau steht. Wir warten auf andere Gewerke und können nichts tun … Habt also auf jeden Fall die anderen Gewerke im Hinterkopf und vernachlässigt diese nicht! Ob Elektriker, Maler, Fliesenleger  – das Badezimmer ist ein All-in-one-Paket.

Wie lange hat die Planung deines neuen Bades gedauert? Wusstest du gleich, was du haben willst oder ist man beim eigenen Bad besonders penibel und perfektionistisch?

Mein erstes Badezimmer habe ich knapp zwei Jahre geplant. Diese hat vielleicht drei Wochen in Anspruch genommen, da ich durch meinen Beruf genau wusste, was ich will und was nicht. Wenn wir nochmal bauen werden, wird es aber vermutlich wieder eine lange Planung.

„Ich bin kein Fan von knallbunten Fliesen. Man läuft Gefahr, sich daran sattzusehen.“

Was kann man auch als Nicht-Profi an einem Badezimmer selbst in die Hand nehmen? Wovon sollte man hingegen eher die Finger lassen, wenn man nicht so viel Erfahrung hat?

Im Badezimmer geht’s um Trinkwasser. Trinkwasser ist ein Lebensmittel, und wir machen nicht umsonst so eine schwierige Ausbildung. Man kann gerne einen großen Teil der Entkernung selbst übernehmen, aber in keinem Fall die Verlegung oder Veränderung der Trinkwasserleitungen, ebenso wenig wie die Installation der Abwasserleitung. Die Einrichtungsgegenstände selbst zu installieren, kann man machen. Dann verzichtet man aber auf die Gewährleistung. Das würde ich mir gerade bei Badezimmern ehrlicherweise drei Mal überlegen. Im Grunde würde ich aber sagen: Lasst die Finger davon und lasst das den Profi machen.

Mit welchen Tricks bringt man mit wenigen Handgriffen optisch wieder Schwung ins Bad, ohne es gleich komplett sanieren zu müssen?

Man kann den Fliesenspiegel auf verschiedensten Arten pimpen. Ob man den überklebt, anmalt oder ansprüht – da kann man optisch viel rausholen. Was am besten zuerst raus muss, ist der Duschvorhang von Omi und der Seifenspender aus dem Supermarkt. Es gibt coole Sets für Zahnputzbecher und Seife, die viel Schwung ins Bad bringen. Außerdem kann auch ein neuer Badezimmerteppich Wunder bewirken.

Aus deiner Erfahrung heraus: Wenn Laien Hand am Badezimmer anlegen, was machen sie am häufigsten falsch oder was misslingt am häufigsten und wenden sich dann doch an einen Profi?

Das kommt uns Gott sei Dank nicht so oft unter. Wir dürfen durchaus mal hinterherfahren, wenn der Kunde selbst eine Armatur neu anbringen wollte. Ob im Bad oder in der Küche spielt keine allzu große Rolle, denn es wackelt sehr oft, das bringt uns zum Schmunzeln.

Welche Badezimmer-Trends nerven dich am meisten?

Ich bin kein Fan von knallbunten Fliesen. Man läuft Gefahr, sich daran sattzusehen. Zusätzlich kann man mich mit eingelassenen Nischen für Shampoo in der Dusche jagen. Ich mag’s einfach nicht, es ist aber wirklich Geschmackssache. Ebenso wie ob’s denn unbedingt eine gemauerte Wand als Duschabtrennung sein muss. Das frag ich mich auch jedes Mal, weil eine Duschwand aus Glas so viel mehr Licht bringen würde.

Welche Tipps kannst du Nicht-Profis zu guter Letzt auf den Weg geben, wenn sie ihr Badezimmer ein wenig aufmöbeln wollen?

Ich würde in die nächste Badaustellung fahren und mir Inspiration holen. Die Herstellerfirmen sind auch gut auf Instagram vertreten und bringen viele gute Ideen für den Endverbraucher. Wenn der neue Badezimmerteppich nicht ausreicht, kann ich nur raten: Ruf einen Installateur an und mach dein Bad neu – oder frag mich und ich gebe Ideen dazu!

Fazit: Lass es einfach den Profi machen

Es ist, wie es ist: Im Badezimmer sollte man sich als Laie allenfalls auf kleinere Schönheitskorrekturen beschränken. Ansonsten läufst du Gefahr, dir einen wunderhübschen Pfusch zusammenzuschustern, dessen Beseitigung dich teuer zu stehen kommt, als du es eigentlich vorhattest.

Ich persönlich würde maximal besagten Duschvorhang austauschen. Okay – und maximal noch den Badezimmerteppich. Für mehr würde auch meine optische Vorstellungskraft nicht ausreichen, ganz zu schweigen vom handwerklichen Geschick.

Wer aber noch Bock auf Bad-Inspirationen hat und sonst noch wissen will, was in der SHK-Welt so abgeht, dem kann ich Maditas Instagram-Kanal @frauimhandwerk (Link zu: https://www.instagram.com/frauimhandwerk/) empfehlen!

Dragan
Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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