Von der „Work-Life-Balance“ zur „Work-Life-Harmony“

The Future of Work

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Lesezeit: 3 Minuten

Dass sich die Arbeitswelt im Laufe der Jahre grundlegend geändert hat, dürften wir alle mitbekommen haben. Die Corona-Pandemie hat dabei noch einmal einiges beschleunigt und viele Unternehmen ins kalte Wasser geworfen, was Homeoffice oder mobiles Arbeiten betrifft. Einige waren darauf vorbereitet, viele jedoch nicht. Wie Weitblick damit umgeht, wie der Arbeitsalltag aussieht und wie man sich daheim eine gute Arbeitsumgebung schafft, darüber haben wir mit jemanden gesprochen, der ganz nah dran an den Mitarbeiterthemen ist: Susanne Hasenstab, Head of HR bei Weitblick.

Mobiles Arbeiten: Es hat alles seine Vor- und Nachteile

Susanne Hasenstab, Head of HR

„Wir waren bereits vor der Coronakrise technisch so ausgestattet, dass mobiles Arbeiten problemlos möglich gewesen wäre. Vorher war es noch nicht so gang und gäbe, aber nun können wir’s aktiv anbieten und werden hoffentlich eine Mischform finden aus Büroarbeit und mobilem Arbeiten. Es ist definitiv eine Chance für uns“, erzählt Susanne. Für Arbeitnehmer bietet es ja auch viele Vorteile: Weniger Fahrtzeit, weniger Ablenkung, konzentrierteres Arbeiten und die Abstimmung von Arbeit und Privatleben aufeinander, wenn man etwa an Handwerker- und Arzttermine oder familiäre Angelegenheiten denkt.

„Wenn die Bedingungen zu Hause so sind, dass man mindestens genauso gut arbeiten kann, wie im Unternehmen, dann steigt auch die Mitarbeiterzufriedenheit, weil man eigenverantwortlich und flexibel seine Arbeitszeit einteilen kann. Es hat sich gezeigt, dass sich auch die Produktivität steigert, weil es sich von zu Hause aus oft viel fokussierter und konzentrierter arbeiten lässt, als mit vielen Leuten gleichzeitig im Büro“, beschreibt Susanne die Erfahrungen mit dem Arbeitsmodell.

Wie alles im Leben hat mobiles Arbeiten aber auch Nachteile. „Es ist nicht gewährleistet, dass man ergonomisch so ausgestattet ist, wie in der Firma “, so Susanne. „Nicht jeder hat automatisch die finanzielle Möglichkeit oder auch den Platz, um sich zu Hause ein Büro einzurichten. Ich kenne leider Beispiele, wo Leute acht Stunden am Tag auf einem sehr unbequemen, nicht bürogeeigneten Stuhl am Küchentisch sitzen und dann Rückenschmerzen bekommen. Das müssen wir als Arbeitgeber beachten und geben deshalb auch aktiv Tipps, wie man im Homeoffice ergonomisch sitzen kann.

Susanne hat natürlich gleich noch ein paar grundlegende Tipps und Empfehlungen für eine produktive und ergonomische Arbeitsumgebung parat: „Vorteilhaft ist auf jeden Fall ein separater Raum, um möglichst wenig Ablenkung zu haben. Hat man hier keinen ergonomisch sinnvollen Schreibtisch und Schreibtischstuhl parat, kann man sich auch mit wenigen Mitteln behelfen. Etwa, indem man Höhenverhältnisse von Büromöbeln ausgleicht, zum Beispiel mit einem Sitzkissen.“ Wichtig sei es aber vor allem, Pausen zu machen und sich zwischendurch zu bewegen.

„Ich merke es selbst, wenn ich von zu Hause aus arbeite: Man steht nicht so oft auf, man geht nicht ins Café um die Ecke, sondern sitzt manchmal sehr viel mehr und belastet seinen Körper unter Umständen mehr als in der Firma.“ Hybride Modelle aus Officetagen und mobiler Arbeit hätten hier den Vorteil, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht permanent einer unergonomischen Arbeitssituation ausgesetzt wären.

„Man muss aufpassen, dass keiner verloren geht“

Apropos Arbeitssituation: Wenn sich diese ändert, ändert sich auch die Kommunikation zwischen den Beschäftigten untereinander sowie mit den Führungskräften. Für Susanne ist Vertrauen eine wichtige Basis: „Es wird nicht funktionieren, dass man als Führungskraft alles kontrollieren kann. Das ist auch unabhängig von mobilem Arbeiten nicht gut. Man sollte einerseits möglichst viel Vertrauen einbringen, sich andererseits aber auch informieren, wie’s läuft, Unterstützung anbieten und Wertschätzung zeigen. Man muss aufpassen, dass keiner verloren geht, dass man alle mitnimmt. Dass man versucht, das Zwischenmenschliche bestmöglich einzubinden.“

Dazu braucht es, wie Susanne beschreibt, immer mal ein paar Anstöße. „Das können kleine Dinge sein, wie zum Beispiel mal ein Wort über den Chat. Wir haben außerdem in der Coronazeit eine virtuelle Weihnachtsfeier ausgerichtet oder Snack-Ideen für das Homeoffice verschickt. Ich denke, es ist wichtig, dass wir als Weitblick einfach den Spirit behalten, den wir die ganze Zeit – auch vor der Pandemie –  schon gelebt haben, weil das den Zusammenhalt stärkt in Zeiten, in denen sich viele nicht oder nur selten sehen.“

Während der mobilen Arbeit herrscht natürlich auch das Risiko, dass Privatleben und Arbeit miteinander verschwimmen. In einer freien Minute auf dem Sofa hier noch einmal kurz den Laptop aufgeklappt, da noch einmal ein Blick auf’s Geschäftshandy … also wollten wir von Susanne noch wissen, wie man dies am besten in den Griff bekommt. „Wenn man Beschäftigte hat, die ein Zeiterfassungssystem nutzen, dann kann man als Führungskraft im positiven Sinne kontrollieren, ob die Wochenarbeitszeit überschritten wird, oder nicht.

Als Führungskraft ist man aber auch immer wieder motiviert zu sagen: ‚Hey, du machst deine Arbeit gut, auch innerhalb deiner Arbeitszeit, aber wenn dein Laptop aus ist, dann lass ihn aus und denk nicht mehr an die Arbeit – leb dein Privatleben‘. Da muss man einfach nachhorchen und am Ball bleiben.“ So wird aus einer Work-Life-Balance letztlich eine Work-Life-Harmony.

Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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