Was ist die Fairtrade-Prämie?

Die Cocktailkirsche auf dem Sahnehäubchen

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Lesezeit: 3 Minuten

Dass Baumwollproduzenten dank Fairtrade einen Mindestpreis für ihre Rohstoffe bekommen, habe ich euch ja an anderer Stelle in diesem Blog schon erzählt. Noch einmal kurz zusammengefasst: Der Mindestpreis ist international festgelegt und ermöglich den Bauern eine mindestens kostendeckende Produktion. Das ist vor allem dann überlebensnotwendig, wenn weiter entwickelte Industriestaaten ihre Baumwollproduktion subventionieren und damit die Weltmarktpreise künstlich niedrig halten. Es gibt aber noch mehr: Die sogenannte „Fairtrade-Prämie“. Wenn der Mindestpreis ein Vanille-Milchshake mit Sahnehäubchen wäre, dann wären die Prämiengelder die Cocktailkirsche obendrauf. Aber was genau können die Produzentenorganisationen nun damit anfangen?

Eine ganze Menge!

Schau, ein Unternehmen ist per Definition eine auf Gewinn ausgerichtete, wirtschaftliche Struktur. Laufende Kosten werden gedeckt, Löhne bezahlt, die Infrastruktur instandgehalten, gut und schön. Der übrig gebliebene Gewinn könnte dann zum Beispiel als Rücklage für schlechte Zeiten beiseitegelegt, anteilig an das Team ausgeschüttet oder in das Unternehmen reinvestiert werden. So könnte es dann mehr produzieren, mehr Umsatz generieren, eventuell noch mehr Leute beschäftigen, weiterwachsen und so weiter. Soweit die Theorie.

Wie du aber weißt, haben es Baumwollproduzenten in Schwellen- und Entwicklungsländern aufgrund ihrer Marktposition besonders schwer, ihr Unternehmen überhaupt auch nur kostendeckend zu betreiben – geschweige denn, wohlverdiente Gewinne einzustreichen, die ihnen, den Mitarbeitern oder der Infrastruktur zugutekommen könnten. Okay, für die mindestens kostendeckende Arbeit gibt es ja den Fairtrade-Mindestpreis. Stell dir aber vor, sie bekämen dann noch etwas Geld obendrauf, welches die Baumwollproduzenten, sowie ein paar Sätze zuvor beschrieben, als Investition in ihr Unternehmen, in ihre Mitarbeiter und in die Infrastruktur stecken könnten? Tja, und genau das ist mit der Fairtrade-Prämie der Fall!

Wie wird mit den Prämiengeldern umgegangen?

Es läuft so: alle Produzentenorganisationen erhalten zunächst die Fairtrade-Prämie. Was mit den Prämiengeldern geschieht, entscheiden die Bauernfamilien beziehungsweise Beschäftigten auf Plantagen gemeinsam in einem demokratischen Prozess. Schließlich haben jeder Betrieb und jede Region ihre ganz eigenen Schwerpunkte, in denen das Geld gut angelegt werden kann. Sicher ist: Die Fairtrade-Prämie wird in soziale, ökologische oder ökonomische Projekte investiert, und das nicht etwa im Gießkannenprinzip, sondern fokussiert und mit klar definierten Zielen.

Damit alles so transparent wie möglich abläuft, müssen alle Entscheidungen und Entwicklungen, die mit der Fairtrade-Prämie zusammenhängen, für alle Mitglieder der Kooperative verständlich dokumentiert werden. In Kleinbauernorganisationen werden die Prämiengelder laut Fairtrade fast zu 50 Prozent in die Steigerung der Produktivität und Qualität investiert. Und genau das macht sie konkurrenzfähiger auf dem Weltmarkt.

Ein klein wenig anders läuft es mit den Prämiengeldern auf Fairtrade-Plantagen: Hier übernimmt das Fairtrade-Prämienkomitee – bestehend aus gewählten Arbeitervertretern sowie Managementvertretern mit beratender Funktion- die Informations-, Organisations- und Abstimmungsaufgaben. Mindestens einmal jährlich beruft das Komitee eine Vollversammlung ein, auf der über den Fairtrade-Prämienplan berichtet wird. Über die Investitionsentscheidung wird demokratisch abgestimmt, während das Management hierbei lediglich eine beratende Funktion hat.

Ein Projekt kann nur dann abgelehnt werden, wenn es nachweislich Nachteile für das Unternehmen hat. Vor allem muss bei der Verwendung der Fairtrade-Prämie auch sichergestellt sein, dass alle lohnabhängig Beschäftigten auch tatsächlich von den finanzierten Projekten profitieren. Die Prämiengelder werden auf Fairtrade-Plantage besonders häufig für die direkte Unterstützung der Arbeitnehmer und ihrer Familien eingesetzt. Das sind dann zum Beispiel:

  • Bücher und Uniformen für schulpflichtige Kinder
  • Kredite und Darlehen
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnraums
  • Aufbesserung des monatlichen Lohns

aber auch für den Bau von Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, für die Bildung für Erwachsene oder für die Infrastruktur, zum Beispiel im Straßen- und Brückenbau.

Gerechte Bedingungen dank Fairtrade-Prämie

Wie du siehst, können die Maßnahmen und Projekte, die mit der Fairtrade-Prämie finanziert und gefördert werden, sehr unterschiedlich aussehen. Aber alle haben sie eines gemeinsam: Sie dienen dazu, dass die Menschen ihr Schicksal nun endlich selbst in die Hand nehmen können, um ihre Lebensumstände zu verbessern. Sie schaffen langfristig gerechte Bedingungen, unter denen die Bauern und ihre Mitarbeiter konkurrenzfähig werden und bleiben. Kurz gesagt: Sie machen es möglich, dass sie von ihrer Hände Arbeit wirklich leben können.

Wie sieht’s bei dir aus?
Wenn du eine Prämie bekämst – die Höhe bestimmst du – wofür würdest du sie dann einsetzen?
Schreib’s uns gern in die Kommentare!

Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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