Ungeschminkt, authentisch, echt.

Auf’s Knöpfchen gedrückt mit Weitblick-Fotograf Marian Hartmann

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Lesezeit: 5 Minuten

Man schimpft ja heute so viel über Instagram: So viele Fake-Leute mit ihrem Fake-Lachen und Fake-Bodys in Fake-Posen in Fake-Situationen, gefeiert von Fake-Followern in Fake-Kommentaren. Zugegeben, eine ganze Menge, was einem auf dieser Social Media Plattform visuell entgegengeschleudert wird, hat einen Cringefaktor von 9000 und tänzelt geschmeidig über die Grenze des Glaubwürdigen – aber hey, hast du schon mal einen Blick in einen x-beliebigen Workwear-Katalog geworfen?

Was du darin in der Regel sehen wirst, hat auch irgendwie was von Instagram. Ich meine, schlag den Katalog mal auf und blättere ein paar Seiten durch, ohne dich zu fragen: „Warum grinst der Krankenpfleger dermaßen verstrahlt aus seinem Kasack, als hätte er sich die opiathaltigen Medikamente seiner Patienten gerade selbst verabreicht? Wie lange waren die Köchin und der Koch mit ihrer Frisur beschäftigt, nur um – natürlich ebenfalls grinsend – zu zweit in einem mutmaßlich leeren Kochtopf herumzurühren? Wie blitzsauber darf ein Kfz-Werkstatt-Overall sein und nimmt der Automechaniker seinen großen Schraubenschlüssel zum Schlafen mit ins Bett?

Ich weiß ja nicht, wie’s dir geht, wenn du solche Fotos siehst, aber ich persönlich stelle mir genau solche Fragen, anstatt mich auf die Workwear zu konzentrieren. Schlimmer noch: Ich spinne den Gedanken weiter, denn ich weiß: Es gab hierfür mal ein Workwear-Shooting, in dem sich die für Katalogfotos verantwortliche Person gedacht hat: „Top. Besser kann man Models in Arbeitskleidung nicht abbilden. Wow. Die Models sehen überhaupt nicht verkleidet aus und ihre Posen wirken absolut authentisch. Toll.“

“Komm, lass sein, ich mach’s selbst!“

Vielleicht tue ich dem auch völlig unrecht. Vielleicht wollte das auftraggebende Unternehmen ja auch genau solche Fotos oder das Budget hat dafür gerade so gereicht. Was ich aber weiß: Es gibt Unternehmen, die geben Dinge wie Produktfotografie nicht aus der Hand, sondern erledigen sie inhouse. Das heißt freilich nicht, dass es keine guten externen Fotografinnen oder Fotografen gäbe, aber es kommen einfach andere Fotos dabei heraus, wenn du ein Unternehmens-Insider bist und es mitsamt seiner Produkte einfach besser kennst als alle anderen. Selbstredend, dass sich Weitblick aus genau diesem Grund denkt „Komm, lass sein, ich mach’s selbst“ und jemanden am Start hat, der in puncto Workwear auf’s Knöpfchen drückt, um das, was vor der Linse ist, so authentisch wie’s nur geht einzufangen. Dürfen wir vorstellen? Obwohl …

Stell dich doch einmal kurz selbst vor! Wer bist du, wie alt bist du, woher kommst du und was tust du bei Weitblick?

Servus! Ich bin Marian, süße 38, bin gebürtiger Oberallgäuer und mittlerweile auch schon wieder sieben Jahre bei Weitblick – krass wie schnell die Zeit vergeht! Meine Jobbezeichnung hier schimpft sich Graphic Designer/Photography, bin also Grafiker und Fotograf.

Die Frage aller Fragen: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Schon während meiner Ausbildung zum Mediengestalter durfte ich mir die Agentur-Kamera schnappen und rumknipsen. Dann später in meiner vorherigen Arbeitsstelle in Aschaffenburg war ich viel mit einem Fotografen zusammen unterwegs und hab da alles über Fotografie, Kameraeinstellungen, Lichtsetzung, etc. gelernt.

Wie lange fotografierst du insgesamt schon?

Mein Papa hatte auch schon immer eine Kamera, mit der ich ab und zu mal ein Foto machen durfte. Das Thema „professionelle Fotografie“ begleitet mich jetzt so seit ca. 20 Jahren.

Marian @ Work

Und welches war deine erste eigene Kamera?

Meine erste Kamera war eine Fujifilm FinePix F47fd mit 9 MP. Eine kleine Digitalkamera, die ich mir damals für Reisen, Festivals, und so weiter gekauft hatte. Meine erste Digitale Spiegelreflexkamera war eine Nikon D3100 im Set mit zwei Objektiven (18-55 mm + 55-200 mm), die ich mir durch meine Jobs als Fotoassistent verdient habe. Die habe ich beide heute noch.

Was war denn so dein erstes Motiv, auf das du richtig stolz warst?

Während meiner Ausbildung durfte ich mal eine Fotoserie zum Thema „Rally“ für einen Prospekt für ein großes Bausparunternehmen knipsen. Da haben wir uns einen Rally-Overall, Handschuhe, Helm und Schuhe besorgt und sind nach Köln zu nem Rally-Showcar gefahren, haben den Wagen auf den Hof raus gerollt und einfach mal alles im und ums Auto rum fotografiert. Das war für mich schon sehr cool damals.

Wie sah dein erster Kontakt mit Weitblick aus? Was hat dich an Weitblick überzeugt – oder anders gefragt: mit welchem Argument hatten sie dich?

In meinem letzten Job lief’s am Ende nicht mehr ganz so rund und die Stimmung war einfach nicht mehr gut. Da brauchte ich Veränderung. Ich habe gekündigt und mich erstmal selbständig gemacht. Und da kam die Stellenausschreibung von damals noch Gottfried Schmidt reingeflattert. Mich hat es interessiert, wie es wohl ist, als Grafiker direkt in einem Unternehmen zu arbeiten und nicht mehr in einer Agentur für verschiedenste Kunden. Damals war gerade die MycoreForce Kollektion raus und die Werbemaßnahmen, der Katalog und die Fotos haben mich irgendwie angesprochen. So etwas wollte ich auch machen …

Und dazu kam es dann ja auch! Wie sah dein erster Fotojob bei Weitblick aus?

Mein erster Fotojob war für die Greybull 2.0 Kollektion. Hier mussten spontan noch die Nachzügler-Softshellteile fotografiert werden. Das war eher so: „Hier ist die Kamera, wir fahren an den Leiderer Hafen und du ballerst einfach mal drauf“. Das erste Studioshooting war dann für Business & Casual, also Hemden und Blusen mit „echten“ Models. Da war ich schon etwas aufgeregt, denn das erste richtige, teure Shooting sollte man nicht verkacken. War aber top! Hat alles geklappt!

„Ich versuche, die Menschen heute so abzulichten, wie sie sich eben im echten Arbeitsleben geben. Ich sag immer: ‚Macht einfach ganz normal eure Arbeit – ich bin gar nicht da!“

Wann ist ein Bild eigentlich ein gutes Bild? Was muss es haben, wie muss es sein?

Im besten Fall löst ein Bild Emotionen aus. Es muss dich auf irgendeine Art berühren. Da ist es egal ob es eine Landschaft, Menschen oder einfach nur eine Beton-Struktur ist. Wenn das Motiv dann aus technischer Sicht auch noch gut getroffen ist, umso besser!

Wie würdest du den Charakter deiner Bilder beschreiben, die du für Weitblick machst?

Ungeschminkt, authentisch, echt. Ich versuche, die Menschen so abzulichten, wie sie sich eben im echten Arbeitsleben geben. Ich sag immer: „Macht einfach ganz normal eure Arbeit – ich bin gar nicht da!“ Da kann es natürlich sein, dass das Licht nicht perfekt ist oder dass die Klamotte mal ungünstig verrutscht. Aber das ist eben echt – das glatt-gebügelte ist nicht so meins. Bei Produktfotos oder Studioaufnahmen wird natürlich schon geschummelt: Da mal ne Falte weg, hier etwas gerade gezogen, und so weiter.

Was ist der größte Fehler, den  jede/r beim Fotografieren macht beziehungsweise beim Fotografieren machen kann?

Mmmmh, macht euch bevor ihr abdrückt kurz Gedanken um den Bildaufbau, Bildkomposition und die Bildwirkung. Also fragt euch: „Was will ich da eigentlich fotografieren?“ und haltet nicht immer nur blind drauf. Ansonsten auch sehr wichtig, wenn ihr fotografieren geht: Nicht vergessen, die Akkus vorher zu laden, für genügend Kapazität auf den Speicherkarten zu sorgen und immer Ersatz dabei zu haben! 😉

Wenn du nicht fotografierst, womit verbringst du deine Freizeit?

Ich habe eine Familie, ein Haus und auch außerhalb der Arbeit immer noch sehr viele Ideen. An irgendwas kann man immer rumwerkeln, zum Beispiel an der Chillecke in unserem Garten, an der Wohnzimmerwand, die Sanierung des Gästebads, Bett selber bauen und so weiter. Das handwerkliche, körperliche Arbeiten ist ein guter Ausgleich zum Bürojob – auch wenn man durch das Fotografieren auch schon viel unterwegs ist und nicht nur am Rechner sitzt.

Er steht auch gerne mal selbst vor der Linse.

Wäre ich kein Inhouse-Fotograf, wäre ich …

…wahrscheinlich „nur“ Grafikdesigner und würde die Fotografie mehr als Hobby betreiben.

Welche Motive/Szenen fotografierst du überhaupt nicht gern und warum?

Ich dreh die Frage und Antwort grad’ mal rum: Ich fotografiere am liebsten Menschen. Finde ich am spannendsten. Das Gegenüber gibt mir direkt Feedback durch seine Emotionen, den Gesichtsausdruck, die Stimmung. Landschaften, Architektur oder Blumen und sonstige Makro-Aufnahmen können sehr schön sein, da habe ich aber auch einfach nicht so den Blick für – und auch nicht die Lust und die Ahnung. 😉 Wenn ich mit jemandem in den Bergen bin, fotografiere ich lieber die Menschen mit denen ich da unterwegs bin, statt die Berge und die Umgebung.

Was sind deine Top-3-Tipps für Leute, die mit der Fotografie anfangen möchten, aber noch nie oder selten eine Kamera in der Hand hatten?

Erstens: Probiert euch selbst und das Fotografieren aus. Nehmt die Kamera und knipst einfach mal drauf los. Ihr merkt dann schon ob und was ihr gerne fotografiert. Zweitens: Ein Motiv – unterschiedliche Blickwinkel. Bewegt euch, geht näher ran oder weiter weg, mehr nach links, mehr nach rechts, in die Hocke oder streckt euch! Und der dritte Tipp: Habt Spaß und begeistert euch und andere damit!

#ultracoolepose

Wenn du nur noch ein einziges Foto schießen dürftest, was würdest du fotografieren?

Mich selbst. In einer ultra-coolen Pose.

Dragan
Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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