Weitblick summt!

Im Interview mit Imker Stefan Neumann über das Weitblick-Bienenprojekt

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Lesezeit: 6 Minuten

Vielleicht wiederhole ich mich mittlerweile zum tausendsten Mal, wenn es um Weitblicks Engagement im Bereich der Nachhaltigkeit geht, aber es sind viele kleine Schritte, die man auf einem nachhaltigen Weg geht. Bei Weitblick fängt das beispielsweise beim Pflanzen von Bäumen an und reicht über den Versand von pflanzbaren Weihnachtskarten mit eingearbeiteten Wildblumensamen, aus denen ein Buffet für Wildbienen ersprießen soll, bis hin zum Aufstellen eines Bienenstocks.

Letztere Idee ist recht neu und entsprang der HR-Abteilung von Weitblick. Es sollte mit einem Bienenstock am Logistikstandort in Alzenau beginnen, doch nun entsteht in diesem Jahr ein viel größeres Bienenprojekt, nachdem das Communication-Team den Nachhaltigkeitsgedanken weitergesponnen hat. Weitblick-Nachhaltigkeitsmanagerin Eva Englert und die Werkstudentin Kerstin Zengerle kümmern sich persönlich darum, dass das Bienenprojekt ein Erfolg wird.

Aber warum gerade Bienen? Naja, es gibt da so ein Zitat (und nicht nur das), das Albert Einstein immer wieder in den Mund gelegt wird und vielleicht ganz gut beschreibt, was hinter Weitblicks Intention steht, etwas mit den kleinen Summern zu machen:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr“

Ob er diesen Satz nun wirklich gesagt hat oder nicht, spielt eigentlich keine allzu große Rolle, denn unser Ökosystem würde ohne Bienen mächtig eins auf den Deckel bekommen. Bienen brauchen Pflanzen und Pflanzen brauchen Bienen –  es ist schlicht eines der wichtigsten ökologischen Gleichgewichte überhaupt.

Die westliche Honigbiene bestäubt nämlich gut 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen, während Fliegen, Hummeln, Wildbienenarten, Schmetterlinge und andere Insekten den Rest übernehmen. Aber machen wir uns mal nix vor: Falls Bienen großflächig von der Bildfläche verschwinden sollten, können wir uns nicht darauf verlassen, dass ihre Kollegen einfach mal nebenbei den Bienenjob erledigen werden. Prädikat: Unersetzlich!

Imker Stefan Neumann

Lass das mal den Imker machen

Eine schöne Nebensache des Weitblick-Bienenprojekts ist natürlich auch die Honigernte. Aber: Kein Weitblick-Honig ohne Weitblick-Bienen! Damit sich die putzigen Summer jederzeit wohlfühlen, fleißig Nektar und Pollen sammeln, jede Menge Blüten bestäuben und leckeren Honig produzieren, steht uns Imker Stefan Neumann vom Bienenzuchtverein Kleinostheim (Link zu: https://imker-kleinostheim.de/) zur Seite.

Stefan ist 55 Jahre alt, Vater zweier Töchter, ambitionierter Hobby-Imker und kümmert sich um etwa 20 bis 25 Bienenvölker, wenn er nicht gerade seinem Beruf als Information Security Manager nachgeht. Wie man mit dem Imkern starten kann, ob Bienen auch zickig sein können, was sich Menschen von Bienen abgucken können und welche Bienen-Superkraft er gerne hätte, das hat er uns in folgendem Interview verraten.

Hilfe, ein Bienenschwarm verfolgt mich! Warum ist das so und was kann ich tun, um zu entkommen?

Du bist Imker und hast gerade den letzten Honig den Bienen geklaut! (lacht) Nein, Bienen oder Bienenschwärme verfolgen einen definitiv nicht, außer man hat die Bienen oder einzelne davon direkt am Bienenstock massiv gestört. Bienenschwärme sind überhaupt nicht aggressiv, sondern suchen nur einen neuen Platz für ihren neuen Bienenstock. Das Einfangen eines ausgezogenen Schwarms übernimmt gerne ein Imker, denn so ein Schwarmvolk liefert im kommenden Jahr einiges an Honig.

Es braucht sicher auch Fingerspitzengefühl und Bienen-Empathie. Woran erkennt man als Imker denn auf einen Blick, ob es den Bienen gerade gut geht oder nicht?

Imker können das meist schon an einer kurzen Kontrolle oder Beobachtung am Eingang des Bienenstocks erkennen, am sogenannten Flugloch. Im Idealfall sind viele Flugbienen am an- beziehungsweise abfliegen, also bei ihrer Lieblingstätigkeit – dem Sammeln von Nektar und Pollen.

Welche drei Dinge sind aus deiner Sicht beim Umgang mit Bienen am wichtigsten?

Gelassenheit, Geduld und auch Leidensfähigkeit – manchmal sind auch sanftmütige Bienen nicht ganz so nett!

Bienen können also tatsächlich launisch sein?

Absolut! Die meisten Bienen in einem Volk sind Arbeiterinnen und können bei Lagerkoller schon mal zickig reagieren, also beispielsweise, wenn für längere Zeit schlechtes Wetter im Frühjahr herrscht und wenig oder keine Sammeltätigkeit möglich ist. Dasselbe ist auch bei schwieriger Witterung der Fall, zum Beispiel heranziehende Gewitter, extrem schwüles Klima oder sehr hohe Temperaturen. Das merkt man als Imker spätestens dann, wenn die ersten Bienen einen attackieren oder stechen. Manchmal reicht aber auch einfach ein gewisser Duftstoff im Parfum, Duschgel oder Shampoo, um Bienen oder Insekten im Allgemeinen anzulocken.

Was fasziniert dich am meisten an Bienen?

Ich bin begeistert von der Vielfalt der Bienen an sich. Sie sind sehr sozial – Honigbienen können alleine nicht überleben. Außerdem sind sie extrem anpassungsfähig, sie schaffen es, gemeinsam an einem Tag mehrere Kilogramm an Nektar und Pollen, also Nahrung zu sammeln und erzeugen außerdem ihren eigenen Baustoff – sie schwitzen quasi Wachsblättchen aus ihrem Körper!

Was würdest du sagen, das Bienen mit Menschen gemeinsam haben?

Bienen sind soziale Wesen und durchlaufen verschiedene Aufgaben im Laufe ihres recht kurzen Bienenlebens. In der ersten Hälfte beginnen sie als Putzbiene, die sich um die Reinigung der Zellen kümmert. Anschließend übernehmen sie die Pflege und Fütterung des Nachwuchses. Danach geht es zum Auf- und Ausbau der Waben ebenso wie noch die Verteidigung ihres Zuhauses gegen Feinde wie etwa Wespen. In der zweiten Lebenshälfte ist sie primär mit dem Sammeln von Nektar, Pollen oder Propolis beschäftigt.

Was macht Bienen so wichtig für uns und die Umwelt?

Die Honigbienen sind nach Rindern und Schweinen das drittwichtigste Nutztier. Die Honigbienen sind die wichtigsten Insekten, um die Bestäubung unserer Blühpflanzen sicherzustellen – von Obstblüten für Äpfel, Birnen, Kirschen bis hin zu Sonnenblumen oder Raps, aus denen wir unsere Speiseöle produzieren.

Es stimmt also: Gäbe es keine Bienen mehr …

…würden wir nicht mehr lange leben!

Wie bist du denn zum Imkern gekommen?

Ich bin im Jahre 2007 auf einem Tag der offenen Tür eines Obst- und Gartenbauvereins mit einem Hobby-Imker ins Gespräch gekommen und habe dann im Frühjahr 2008 von diesem Imker mein erstes Volk bekommen.

Zum Imkern braucht man ja logischerweise Bienen. Woher beziehe ich generell welche, wenn ich mit dem Imkern anfangen möchte?

Am einfachsten geht das beim nächsten Imkerverein in deiner näheren Umgebung. Einige Vereine bieten sowas zur Mitgliedergewinnung an. Ansonsten einfach mal beim Imker deines Vertrauens fragen.

Mit wie vielen Bienenarten hattest du denn bereits zu tun beziehungsweise mit welchen arbeitest du am liebsten und warum?

Als Imker arbeite ich hauptsächlich mit den Honigbienen. Bei uns gibt es die sogenannte Carnica und eine Züchtung namens Buckfast als Bienenrassen. Beide sind vergleichbar bezüglich Sanftmut und besitzen sehr gute Fähigkeiten zum Honigsammeln. Ich nutze primär Carnica-Bienen, denn ich bin auch als Bienenzüchter dieser Art aktiv.

„Bienen unterstützen immer ihr Bienenvolk, denn alleine erreichen sie gar nichts!“

Wie würdest du folgenden Satz vervollständigen? Imkern bedeutet für mich …

… ein tolles Hobby zum Stressabbau – und es liefert mir dazu noch ein leckeres Lebensmittel.

Welcher Honig ist für dich der beste Honig und warum?

Das ist gar nicht so leicht, ich habe mehrere Favoriten. Zum Frühstück esse ich gerne Blütenhonig oder auch Waldhonig. Manchmal mag ich auch den etwas kräftigeren Edelkastanienhonig.

Wo hast du überall deine Bienenvölker stehen? Kann man das auch im eigenen Garten machen?

Bei mir Zuhause stehen meine Bienenvölker unter anderem in meinem Garten und Grundstück und eines sogar direkt neben meiner Haustür. Weitere Standorte sind auf einer Streuobstwiese eines Bekannten bei Weitblick in Heinrichsthal und auf der renaturierten Kreisdeponie des Landkreis Aschaffenburg in Stockstadt – und bald natürlich auch bei Weitblick in Alzenau.

Welche Vorbereitungen müssen getroffen werden, damit sich ein Bienenvolk wohlfühlt und gerne einzieht?

Um ein Bienenvolk bei sich daheim aufstellen zu können, bedarf es keiner allzu großen Vorbereitungen. Lediglich ein ruhiger, sonniger Stellplatz im Garten ist notwendig.

Muss man denn als Imker irgendwelche gesetzlichen Anforderungen erfüllen?

Es gibt nur sehr wenige Anforderungen, man muss lediglich seine Bienen – ähnlich wie bei Hühnern – beim Veterinäramt des Landkreises anmelden. Alle weiteren optionalen Aspekte, wie etwa ein Grundkurs für Bienenhaltung, die Mitgliedschaft in einem Imkerverein und so weiter sind zwar nicht verpflichtend, aber sehr empfehlenswert.

Wie viele Bienen sind denn ungefähr in einem Bienenvolk?

Das hängt von der Jahreszeit ab – im Winter etwa 5.000-10.000, im Sommer dagegen ungefähr 40.000-60.000.

Wie lange dauert es von dem Einzug des Bienenvolkes bis zur ersten Honigernte?

Auch das ist von der Jahreszeit abhängig – im Frühjahr vergehen hierfür etwa sechs bis acht Wochen.

Wenn der Honig fertig ist, wie läuft dann eine Honigernte ab?

Der Imker fährt meist morgens zu den Bienen und entnimmt möglichst verdeckelte Honigwaben aus dem Bienenvolk. Verdeckelte Honigwaben enthalten reifen Honig und sollten dann recht schnell geschleudert werden. Dazu werden diese Waben mittels einer Entdeckelungsgabel von den Wachsdeckeln befreit und der Honig mit der Honigschleuder, das ist eine Zentrifuge aus den Waben geschleudert.

Welche Unterschiede gibt es bei den Bienen im Zusammenhang mit dem Honig?

Es gibt einige verschiedene Bienenrassen in unserer Region, allerdings sind Geschmack und Konsistenz oder das Aussehen des gesammelten Honigs nicht davon abhängig, sondern von den besuchten Pflanzen beziehungsweise Blüten.

Was können sich deiner Meinung nach Menschen von Bienen abschauen und warum?

Echt gute Frage! Vielleicht etwas mehr Kooperation und Verständnis mit anderen Menschen! Zumindest kann jeder Imker den Fleiß seiner Bienen Tag für Tag beobachten. Bienen unterstützen immer ihr Bienenvolk, denn alleine erreichen sie gar nichts! Zusammen erschaffen sie den Honig, neue Generationen von Bienen und manchmal auch neue Bienenvölker. Manchmal chillen sie aber auch nur … denn für so eine Leistung muss auch eine Biene mal ausruhen!

Wenn du dir per Fingerschnipp eine Bienen-Superkraft aneignen könntest – welche wäre das und warum?

Ganz klar das Fliegen, das hat mich schon als Kind begeistert! Es gibt zwar Geräte wie Flugdrohnen, aber im Vergleich mit den Flugeigenschaften der Bienen sind diese unglaublich eingeschränkt.

Ein Imker, der noch nie von einer Biene gestochen wurde …

Haha, den gibt es definitiv nicht!

Dragan
Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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