Alles beginnt mit Mut, Kraft und Zuversicht

90 Jahre Begeisterung: Die 1. Generation Weitblick

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1931 war so einiges auf der Welt los. Dracula flimmerte zum ersten Mal über die Kinoleinwände rund um den Globus. Das Licht der Welt erblickte auch ein bratpfannenähnlich aussehender Prototyp einer E-Gitarre. Und auch war es das letzte Jahr, in dem sich Fans von Hertha BSC über den Sieg einer deutschen Meisterschaft freuen konnten. Derweil eröffnete auf der anderen Seite des großen Teiches feierlich das Empire State Building in New York. Genau in der Stadt, wo vier Jahre zuvor die Weltwirtschaftskrise ins Rollen kam.

1931 fand diese in Deutschland ihren absoluten Peak. In Zahlen hieß das: 70.000 Unternehmen, die Konkurs anmeldeten und sechs Millionen Leute, die ihren Job verloren. Das klingt nun wirklich nicht nach einem idealen Zeitpunkt, um sich selbstständig zu machen. Wie kam es also, dass Gottfried Schmidt ausgerechnet im härtesten Jahr der Weltwirtschaftskrise ein Unternehmen gründete, das heute den Namen „Weitblick“ trägt und in vierter Generation fortbesteht?

Gottfried Schmidt, Textilkaufmann und Pionier, gründete 1931 sein eigenes Geschäft

Vielleicht war es gerade dieser Weitblick, der ihn dazu antrieb. Denn es braucht schon eine ordentliche Portion Mut, Kraft und Zuversicht, um in so einer Situation ein Geschäft aufzubauen. Gottfried Schmidt, seines Zeichens Textilkaufmann, war einer von sechs Millionen Menschen, die 1931 ihren Arbeitsplatz verloren. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was das damals für Zeiten gewesen sein müssen, aber sicher war es eine Zeit, in der man beruflich nicht viele Alternativen hatte oder gar irgendwelche großen Ansprüche stellen konnte.

Umso mehr bin ich persönlich beeindruckt, wenn ich Geschichten wie diese höre – wie jemand aus der Not eine Tugend und letztlich einen florierenden Textilhandel daraus gemacht hat. Als gelernter Textilkaufmann verstand Gottfried Schmidt nun mal etwas von guter Arbeitskleidung. Und wer in einer Sache besonders gut ist, der schafft es dann auch, den sprichwörtlichen Kühlschrank am Nordpol zu verkaufen.

Entweder richtig oder gar nicht

Mit diesem Logo begann die Gottfried Schmidt Ära

Gottfried Schmidt hatte bei der Gründung seines Unternehmens natürlich keine selbst entworfenen Kollektionen in der Hinterhand. Er war in erster Linie Einzelhändler. Am Anfang reichte Schmidt dazu noch das Wohnzimmer seiner Frankfurter Wohnung. Zumindest für eine Weile. Seine Arbeitskleidung kam bei seinen Kunden nämlich sehr gut an und so dauerte es nicht lange, bis ein Ladengeschäft hermusste.

Aber was war es, dass die Leute von Gottfried Schmidts Ware so überzeugte? Dazu muss man sich einmal kurz in den Kopf der Kunden hineinversetzen: Fast Fashion? Gab es damals einfach nicht. Generell waren die Produkte aus dieser Zeit alles andere als ‚fast‘. Wenn man schon etwas mit viel Können und Liebe zum Detail herstellte und der Kunde entsprechend Geld auf den Tisch legt, dann sollte es auch lange halten. Ich kenne Leute, die sich nicht von ihren uralten Weichholz-Schränken aus der Gründerzeit trennen wollen, weil diese nach etlichen Jahrzehnten einfach noch immer top in Schuss sind. Mehr Preis-Leistung und Nachhaltigkeit gehen nun wirklich nicht.

Erstes Ladengeschäft von Gottfried Schmidt in Frankfurt

Nicht anders war es beim Thema Kleidung. Während viele Menschen heute Fast-Fashion-mäßig ihre Klamotten eine Saison lang tragen – entweder, weil sie danach nicht mehr im Trend ist oder qualitativ ohnehin nur noch für die Tonne reichen – war Kleidung damals eine teure Anschaffung. Das galt auch für Arbeitskleidung und diese musste logischerweise bedeutend mehr aushalten als jene, die man im Alltag trug. Und das möglichst ewig. Entweder richtig oder gar nicht, eben!

Wenn es also etwas neben seinem Gottfried Schmidts gutem Geschäftssinn gab, dass ihm damals den Erfolg sicherte, dann war es der Anspruch, Kunden Arbeitskleidung anzubieten, die eine sehr hoher Qualität mitbringt und ordentlich was abkann. Auch wenn sich die Geschäftsmodelle von Generation zu Generation weiterentwickelt haben, so ist dieser hohe Qualitätsanspruch bis heute unverändert geblieben. Der Erfolg gab ihm Recht:

Weil der Kundenkreis immer größer und dann auch das Ladengeschäft irgendwann zu klein wurde, zog es Gottfried Schmidt in ein größeres Gebäude in derselben Straße und in diesem war zusätzlich noch eine eigene Näherei untergebracht. Denn Arbeitskleidung von sehr hoher Qualität ist das Eine. Das Andere ist es, die Arbeitskleidung so zu entwickeln, dass sie genau den Vorstellungen und Wünschen der Kunden entsprechen. Workwear muss sich seinen Trägern anpassen und nicht umgekehrt. Das galt damals wie heute! Nachvollziehbar, dass dieses Verständnis von Qualität und Individualität bei Kunden bestens ankam. Das Unternehmen florierte – bis zu jenen schwärzesten Tagen, die Schmidt noch bevorstehen sollten.

Näherei Fahrgasse Frankfurt
Näherei direkt mit im Laden

Wieder bei null, aber nicht allein

Wir alle kennen den Lauf der Geschichte. Als die Schrecken des zweiten Weltkrieges nach Deutschland kamen, blieb fast nichts vor der Zerstörung verschont. Was sich Gottfried Schmidt in all den Jahren mit viel Herzblut aufbaute, wurde bei den Bombardements der Stadt Frankfurt gleich zwei Mal dem Erdboden gleichgemacht. Trotz dessen, dass kein Stein mehr auf dem anderen lag, war er unerschütterlich in seinem Mut und nun galt es, mit aller Kraft weiterzumachen – mit dem, was die Bomben übrig gelassen haben. Schmidt wusste ja bereits, was es heißt, ganz bei null anzufangen, wieder aufzustehen und trotzdem weiterzumachen.

Alles in Schutt und Asche. Was sich Gottfried Schmidt aufbaute, wurde komplett zerstört.

Diesmal stand er jedoch nicht allein vor der großen Aufgabe, sein unternehmerisches Werk aufzubauen und zu alter Kraft zu verhelfen: sein Sohn Wolfgang trat ins Unternehmen ein. Viele Jahre harte Arbeit und ein neues Geschäftsmodell sollten sich in der zweiten Weitblick-Generation schon bald auszahlen …

Dragan
Gelernter Koch, heute Texter, Content-Marketing-Fuzzi und Autor im WBLK-Blog. Über 10 Jahre in der Gastronomie gehen aber nicht spurlos an einem vorüber. Auch nicht beim Schreiben. Denn ein guter Text ist manchmal fast dasselbe, wie gutes Essen: Man kann noch so sehr abfeiern, was man da Tolles auf den Teller gezaubert hat – am Ende muss es vor allem den Leuten gefallen, die den Teller vor sich haben.
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